Nachhaltiges Marketing

am Biohof Pranger

4. August 2021

Unser Interview mit Martina Lercher-Donau Uni Krems:

Nachhaltiges Marketing mit Herz und Verstand beim Bio-Pionier Pranger!

In der Südoststeiermark ist Familie Pranger für ihr Qualitäts-Gemüse bekannt. Du willst wissen, wie der Biohof nachhaltiges Marketing mit kleinem Budget clever umsetzt? Hier gibt es Tipps vom Bio-Experten.

Seit 1990 baut Familie Pranger im Steirischen Vulkanland biologisches Gemüse in bester Qualität an. Der Hof war einer der ersten, der Bio-Feingemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini und Paprika auf den österreichischen Markt gebracht hat. Nachdem die Eltern Anita und Werner Pranger den Bio-Austria zertifizierten Betrieb aus Leidenschaft und Überzeugung aufgebaut haben, sind seit 2011 auch Tochter Sabrina und Sohn Patrick mit an Bord. Während Vater und Sohn sich um die zwei Landwirtschaften kümmern, sind Mutter und Tochter für den Handel und die Vermarktung zuständig. Die nächste Generation hat viele neue Ideen und bringt frischen Wind in das Unternehmen. Auch im Marketing hat vor allem Tochter Sabrina «die Segel neu gesetzt».
Tradition trifft Innovation

Angefangen als reine Landwirtschaft, hat das Unternehmen sich mit der Zeit zum Handelsbetrieb entwickelt. Seit dem Einstieg der Kinder 2011 geht der Biohof neue Wege und setzt verstärkt auf die Direktvermarktung. Konsument*innen können frisches Gemüse je nach Saison direkt im Bioladen vor Ort kaufen oder die «Biokiste» online bestellen. Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit wurden auch neue Produkte - die sog. Schätze im Glas - ins Leben gerufen. Gemüse, das für den Handel nicht mehr geeignet ist, kommt in die hauseigene Produktion und wird zu Konserven, zum Beispiel Paprikasalat, Leggio oder Tomatensauce, verarbeitet. Das Resultat: keine Lebensmittelverschwendung und eine optimale Wertschöpfung.

Die langjährige Erfahrung der Eltern und der Innovationsgeist der Kinder ergeben zusammen einen unschlagbaren Mix.

Sabrina Pranger ist die älteste von drei Geschwistern und macht das Marketing für den Biohof. Dabei verlässt sich die 28ig-Jährige nicht nur auf ihr Gefühl, sondern beobachtet den Markt genau, was die Konsument*innen wollen, welche Trends es gibt und was die Konkurrenz so treibt. Aber nicht nur das macht den Erfolg aus. «Ich kenne den Hintergrund von unserem Unternehmen sehr genau und bin mit voller Leidenschaft bei der Sache. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich unsere Werte und unsere Liebe zur Natur gut nach außen transportieren kann», erklärt Sabrina.
Jeder hat mal klein angefangen

Nachdem alles 2005 mit einem gedruckten Flugblatt und einem Logo begonnen hat, sind vor allem in den letzten Jahren neue Aktivitäten im Marketing hinzugekommen. Seit ihrem Start 2011 hat Sabrina schon richtig viel auf die Beine gestellt: angefangen von einem neuen Look & Feel für den Unternehmensauftritt über einen «Frischekick» für die Website bis hin zu neuen Kanälen wie die Sozialen Medien für die Kundenansprache ist alles dabei.

Vom Flugblatt zum online Auftritt - Familie Pranger hat sich erfolgreich ein nachhaltiges Marketing über verschiedene Kanäle aufgebaut.

Aktuell umfasst der Biohof-Marketing-Mix:

Drucksorten (Folder) liegen im Betrieb auf
Website
Kanäle Signal, Whattsapp und Telegram für Kundenanfragen
Onlineshop für Bestellungen wie die «Biokiste»
Social Media wie Facebook und Instagram für Kommunikation mit den Zielgruppen
Veranstaltungen wie Hof-Führungen für den persönlichen Kontakt und Austausch mit Kunden (in Corona-Zeiten werden diese nicht durchgeführt)

Beständige Werte in neuem Gewand

«Die gewachsenen Aktivitäten im Marketing haben uns zudem vor eine neue Herausforderung gestellt. Wir brauchten ein einheitliches Konzept - einen roten Faden sozusagen», erzählt Sabrina. Aus diesem Grund hat sie 2016 mit Unterstützung einer Grafikagentur ein neues Logo und Design für den Biohof entwickelt. Dabei war ihr besonders wichtig, dass dieses zu den Werten ihres Unternehmens passt. Somit wurden grundsätzlich erdige Farbtöne - die für die Natur, die Felder stehen - gewählt, in Kombination mit der Farbe Rot. Dies unter anderem in Anlehnung an die Tomaten, die einen traditionsreichen Teil ihres Sortiments darstellen und für ihr Angebot charakteristisch sind. Für die Schätze im Glas stehen mehrere starke Farben nebeneinander, um die Gemüsevielfalt widerzuspiegeln. Die Investition hat sich für den Biohof auf jeden Fall gelohnt, hat er nun einen modernen Unternehmensauftritt, der auch die Kernbotschaften hervorhebt.

Ein einheitliches Design über alle Kanäle hinweg macht es für Konsument*innen einfacher, das Unternehmen wieder zu erkennen.

Bilder sagen mehr als tausend Worte

Besonderen Wert legt Sabrina auf authentische und hochwertige Bilder. Sie weiß aus Erfahrung, dass schlechte, verpixelte Fotos z.B. auf der Website ein Grund sein können, dass Besucher*innen aussteigen und gar nicht mehr weiterlesen. Diese Professionalität stellt sie sicher, indem der Biohof mit einem Fotostudio zusammenarbeitet. Zudem denkt Sabrina bei der Bilderstellung langfristig, damit auch zukünftig erstellte Fotos in die Bilderwelt passen und sich das Design konsequent durchzieht.

Bilder helfen, Emotionen zu vermitteln und nehmen die Verbraucher*innen mit in die farbenfrohe Welt des Bio-Gemüses.

Im zweiten Teil des Beitrags zeigen wir dir, wie der Biohof einzelne Maßnahmen wie Website, Online-Shop, Social Media, etc. für ein nachhaltiges Marketing umsetzt. Außerdem gibt es exklusive Tipps und Empfehlungen z.B. für die Agenturauswahl oder ein erfolgreiches Social Media Marketing.Im zweiten Teil des Beitrags zum nachhaltigen Marketing beim Biohof Pranger erfährst du, wie der Betrieb einzelne Maßnahmen wie Website, Online-Shop, Social Media, etc. erfolgreich umsetzt.
Die Website als Dreh- und Angelpunkt - www.biohofpranger.at

Präsent sein ist das Gebot der Stunde, um heutzutage mit einem Geschäft erfolgreich zu sein. Diesem Grundsatz folgt auch der Biohof Pranger, denn Leute müssen ein Unternehmen erst mal kennen, um seine Produkte kaufen zu können. Darum ist auch 2009 die erste Website des Bio-Pioniers online gegangen und hat sich bis heute zum Herzstück im Marketing entwickelt. 2016 wurde die Website überarbeitet. Im Zuge dessen hat der Biohof einerseits das neue Design umgesetzt, aber auch Inhalte, Texte und Funktionen optimiert. Die Hauptdarsteller sind immer die biologischen Produkte. Diese werden mit Details beschrieben, um Konsument*innen vom Angebot zu überzeugen.

Die Website-Inhalte pflegt Familie Pranger selbst. Größere technische Arbeiten wie z.B. eine Änderung an der Struktur oder dem Layout der Website lagert sie aber an eine Agentur aus. Bevor du eine Agentur beauftragst, definiere genau, was deine Anforderungen, insbesondere hinsichtlich Funktionalität, sind. Gehe diese Liste mit der Agentur Punkt für Punkt durch. So kannst du sicher gehen, dass nichts vergessen wird und die Agentur auch die Kompetenz hat, alle Erwartungen zu erfüllen. «Wir haben uns für eine kleine Agentur in der näheren Umgebung entschieden. Es ist ein 2-Mann-Betrieb und wir arbeiten direkt mit der Unternehmensführung zusammen. Trotz begrenztem Budget erhalten wir dort ein super Service,» erzählt Sabrina Pranger zufrieden und fährt fort «Was an Fremdleistungen zugekauft wird, wählen wir sehr genau aus».
Checkliste für die Agenturauswahl

Standort
Eine Agentur in der Nähe macht persönliche Treffen einfacher und kurzfristiger möglich, und du kannst dir die Reisekosten sparen.
Rezessionen (zB von Google)
Bewertungen können dir helfen, Agenturen zu vergleichen.
Reaktionsgeschwindigkeit
Werden Fragen bzw. Anliegen rasch geklärt? Muss man lange auf Termine für ein Treffen warten?
Kundenwünsche
Wie reagiert die Agentur auf individuelle Anforderungen?
Agenturgröße
Bei begrenztem Budget sind kleinere Agenturen manchmal zu bevorzugen, da große Agenturen bei der Bearbeitung von Aufgaben oft die Priorität je nach Auftragsvolumen vergeben.
Sympathie
Es macht Sinn, sich mit zumindest zwei Agenturen zu treffen. So kannst du herausfinden, ob die Chemie stimmt.

Marketing-Tipps vom Biohof

Achte auf eine klare und übersichtliche Website-Struktur, sodass Besucher*innen schnell finden, wonach sie suchen.
Arbeite mit einem einheitlichen Design für die gesamte Website - von den Farben bis zur Textgestaltung - alles muss einen harmonischen Gesamteindruck ergeben.
Mach deine Produkte zu den Stars deiner Website und rücke sie gezielt in den Mittelpunkt!
Lass Bilder sprechen und verwende wenig, aber aussagekräftigen Text.
Flächige, hochwertige Fotos lassen deine Website lebendig wirken. Aber Achtung: Sie sollten nicht zu gross sein, um lange Ladezeiten deiner Seite zu verhindern.
Wenn das Wissen nicht im Haus ist, lass dich von einer Agentur unterstützen, damit deine Website professionell wirkt und den erforderlichen Sicherheits-Standards entspricht.

Der Online-Shop fürs bequeme Einkaufen

Menschen möchten heute so bequem wie möglich Waren einkaufen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, online zu bestellen und sich Kleidung, Möbel, Lebensmittel, etc. an einen Wunschort liefern zu lassen. Auswertungen zeigen, dass der Anteil der Online-Käufer an der österreichischen Bevölkerung in den letzten Jahren stetig zugenommen hat (Statista, 2020). Der Biohof hat 2016 auf dieses Bedürfnis der Kund*innen reagiert und einen Webshop eröffnet, über den die biologischen Produkte auch online bestellt und bequem nach Hause geliefert werden können.

Langfristige Kundenbeziehungen sind Familie Pranger wichtiger als der schnelle Umsatz. Einmalige Bestellungen passen daher nicht in ihr nachhaltiges Konzept, sodass die «Bio-Kiste» nur im Abo bestellt werden kann. Diese wird dann regelmäßig im Abstand von 2 oder 4 Wochen mit den eigenen Lieferwagen der Familie Pranger zur Wunschadresse geliefert. Konsument*innen sollen von dem Hype, wahllos im Internet zu bestellen, zurückgeholt werden, sich mit den Anbietern auseinandersetzen und die Angebote wieder mehr wertschätzen.

Für den Online-Shop setzt Familie Pranger auf eine bewährte Softwarelösung, die auch ein optimales Schnittstellenmanagement gewährleistet. Das System wird vom deutschen Software-Anbieter regelmäßig gewartet und gepflegt, und stellt auch die Datensicherheit nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sicher.
Marketing-Tipps vom Biohof

Mach es Konsument*innen so einfach wie möglich, in deinem Online-Shop einzukaufen. Ein klarer, kurzer Prozess ist hier wichtig.
Setze auf eine Softwarelösung, die sich bereits bewährt hat. So sicherst du einen reibungslosen Einkauf deiner Kund*innen ohne technische Probleme.
Angebote wie Abos, die Kund*innen an das Unternehmen binden, helfen langfristig eine Beziehung aufzubauen.

Social Media für mehr Reichweite

Um die Reichweite zu erhöhen, ist der Biohof auch in den Sozialen Medien aktiv. Da solche Marketingaktivitäten sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, hat man sich auf die für das Unternehmen wichtigsten Kanäle fokussiert. Seit 2011 setzt Familie Pranger auf den Austausch mit ihrer Zielgruppe auf Facebook. 2019 kam dann ein Account auf Instagram hinzu, wo das frische, geschmackvolle und hochwertige Gemüse gekonnt in Szene gesetzt wird. Mit wertvollen Inhalten zum Unternehmen sowie zu den Produkten will der Biohof die Aufmerksamkeit erzielen, ohne bezahlte Anzeigen zu schalten.
Marketing-Tipps vom Biohof

Bevor du mit dem Posten auf Social Media beginnst, solltest du eine gut funktionierende Website haben. Ansonsten kann es sein, dass du diese Personen wieder verlierst.
Stürze dich nicht gleich auf alle Kanäle gleichzeitig, sondern fokussiere dich auf ein oder zwei Plattformen, auf der sich deine Zielgruppe am meisten aufhält.
Überlege dir, welche Inhalte für deine Zielgruppe sinnvoll und relevant sind. Nutzt du z.B. ein spezielles Produktionsverfahren für deine Produkte? Dann erzähle doch interessante Fakten dazu.
Jeden Tag posten? Mach dir keinen Druck! Am wichtigsten ist, dass die Inhalte einen Mehrwert für deine Zielgruppe bieten.
Messen und reflektieren ist das A und O. Schaue bei jeder Aktivität, die du umgesetzt hast, was für einen Nutzen sie gebracht hat. Entscheide dann, ob du mehr oder weniger davon machen solltest.

Nachhaltig auf der ganzen Linie

Nachhaltigkeit ist in den Werten der Familie Pranger fest verwurzelt. Der gesamte Betrieb ist darauf ausgerichtet: so gibt es seit 2013 eine Photovoltaikanlage, die Energie für den eigenen Betrieb liefert, eine Hackholzheizung als nachhaltige Wärmequelle und eine E-Tankstelle für die umweltbewussten Kund*innen, die direkt ab Hof einkaufen. Bei Veranstaltungen wie dem jährlichen Pflanzenverkauf - einem kleinen Markt mit Getränken und Häppchen aus der Bio-Hofküche - steht der persönliche Kontakt mit den Konsument*innen im Fokus. Die Beziehungspflege ist einer der wichtigsten Eckpfeiler des nachhaltigen Geschäftsmodells der Familie Pranger, sodass diese auf einen großen Kreis an Stammkunden setzen kann. Interessierte haben auch jederzeit die Möglichkeit, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen, wie am Biohof angebaut und produziert wird. Diese Transparenz macht die Botschaften des Biohofs glaubwürdig und schafft Vertrauen.

Online können sie die Artikel hier vollständig lesen: https://imbstudent.donau-uni.ac.at/online-nachhaltig/2021/07/20/nachhaltiges-marketing-mit-herz-und-verstand-beim-bio-pionier-pranger-teil-1/

Danke an Martina Lercher für den Beitrag!

 

 

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